Die Physikusse wurden 2001 als koedukative Talentförderung gegründet. Schülerinnen und Schüler wurden intensiv und individuell gefördert und gefordert. Seit 2007 sind die Physikusse eine Jungenförderung. Die geschlechtssensible Förderung ist ein Aspekt individueller Bildung. Wir fordern nach wie vor die bestehenden Fähigkeiten und das Interesse an Naturwissenschaften, insbesondere Physik. Wir setzen mit Themen rund um die Naturwissenschaften den Anreiz, sich mit den eigenen, jungenspezifischen Schwächen auseinanderzusetzen. Zu den Kompetenzen, die bei Jungen typischerweise schwächer ausgeprägt sind, gehören Lesen, Schreiben und allgemeine Sozial- und Kommunikationsfähigkeiten.


„Didaktische Konzepte, die speziell auf das Lernverhalten von Jungen zugeschnitten sind, bereichern die Methodenvielfalt des Unterrichts.  ...
Schulen müssen verstärkt auf individuelle Förderung und die Herausbildung selbstständigen Lernens setzen. Das verbessert die Lernergebnisse von Jungen und Mädchen gleichermaßen.“

Deutscher Industrie- und Handelskammertag, Newsletter 35; Berlin 6.9.2007


Sprachliche Kompetenzen


Das sprachliche Kompetenzen in allen Lebensbereichen, auch in den Naturwissenschaften essentiell sind, steht außer Frage. Physikusse müssen zwingend, alleine aus Sicherheitsgründen, sinnerfassend lesen können. Dazu gehören neben Fachliteratur auch Versuchsprotokolle und Drehbücher für Physik-Shows. Das Interesse an der Physik bietet hier einen intrinsischen Anreiz, doch einmal ein Buch in die Hand zu nehmen.


„Es ist das Verdienst von PISA, endlich auch einmal
Kommunikations- und Sozialkompetenz untersucht zu haben:
Jungen entwickeln in diesen Bereichen
sehr viel geringere Kompetenzen als Mädchen.“

Emig, Hilke: Jungen und Mädchen ticken verschieden – Geschlechtssensible Bildung,

Frauenausschuss der GEW Bremen, 16.03.2007


Wir fördern die Schreibkompetenz der Physikusse einerseits mit einfachen Zeichen- und Malübungen. Jungen haben aufgrund ihrer weniger stark ausgeprägten Feinmotorik oft Schwierigkeiten im Schriftbild und bei einer ordentlichen Heftführung. Andererseits fördern wir die Fähigkeit, den Inhalt einer Aussage grammatisch, orthografisch und syntaktisch korrekt zu formulieren. Und nach dem Motto: „Man spricht, wie man schreibt“ schlägt sich der Erfolg auch in der mündlichen Ausdrucksweise nieder.


Physikusse erlernen aktiv die Fähigkeit, sich im fachlichen und sozialen Kontext adäquat auszudrücken. Sie erlernen das gesamte Spektrum von Erklärungen auf hohem Niveau mit Fachbegriffen bis hin zu einfacher Ausdrucksweise mit Vergleichen aus dem Alltag.  Hier sind Physikusse insbesondere bei ihren Shows gefordert, deren Publikum aus Physikern und Laien besteht - und das oft gleichzeitig.



Sozial- und Kommunikationsfähigkeiten


Die Physikusse trainieren sehr intensiv die Sozialkompetenzen und die Kommunikationsfähigkeiten beispielsweise mit Teamspielen. Wir stärken den Umgang mit sich selbst (Selbstvertrauen, Eigenverantwortung) und den Umgang mit anderen (Hilfsbereitschaft, Empathie, Respekt, Kooperation). Die soziale Interaktion stärkt die Schüler weit über die Schule hinaus.


»Wer im Beruf vorankommen will, der muss mehr mitbringen als Fachwissen.
Ohne ›Soft Skills‹ – Sozialkompetenzen – geht wenig.
Das Thema hat in der Personalpolitik vieler Unternehmen
eine hohe Bedeutung erlangt.«

Astheimer, Sven: Der soziale Experte; Frankfurter Allgemeine Zeitung
vom 21.7.2007, abgerufen am 29.9.2013


Zu den obligatorischen Führungsqualitäten die wir ausbilden zählen Verantwortungsbereitschaft, Fleiß, Anpassungsfähigkeit. Physikusse haben bereits in der Schule eine Vorbildfunktion.



Forderkonzept


Im Rahmen des Physikuss-Unterrichts erhalten die Schüler unzählige Möglichkeiten über das normale Maß hinaus zu experimentieren. Großzügige Spenden ermöglichen uns die Anschaffung von besonderen Materialien.


Die Physikusse bekommen exklusive Einblicke in High-End-Forschung und haben Zugang zu Laboren und Forschungseinrichtungen. Ansprechpartner aus dem In- und Ausland kümmern sich um Gruppen- und individuelle Projekte der Schüler.


Weitere Zitate zum Thema Jungenförderung


»Innerhalb des allgemein bildenden Schulwesens sind inzwischen tendenziell
Jungen benachteiligt, und zwar auch dann, wenn das Niveau der
Schulleistungen berücksichtigt wird.«

Ministerium für Familie, Bildungsbericht für Deutschland, Opladen 2003: 204



„Bis dato widmete sich die Bundespolitik im großen Stil den Frauen und tat so einiges um die Arbeits- und Familienwelt "fairer" zu machen. Männer verdienten mehr, hieß es immer wieder, sie stiegen schneller auf und hätten in der allgemeinen Wirtschaft ein besseres Ansehen als das weibliche Pendant. Tatsächlich scheinen solche Aussagen aber zu einer Verteufelung des männlichen Geschlechts geführt zu haben. Denn vor allem Bildungsforscher warnen vor einer "Feminisierung der Schullandschaft": Jungen würden schon in der Schule benachteiligt, so seien ihre Abitursnoten beispielsweise im Schnitt eine Note schlechter als die ihrer Mitschülerinnen. Zudem würden Jugendstudien Mädchen zur "neuen Elite" ausrufen.“

KA-News: www.ka-news.de/region/karlsruhe/Umfrage-Benachteiligtes-Geschlecht-Ist-eine-Emanzipation-der-Maenner-notwendig;art6066,286577 19.9.2013; abgerufen am 29.9.2013




„Für den Übergang in weiterführenden Schulen hat die Lern-Ausgangs-Untersuchung (LAU) in Hamburg herausgefunden, dass Jungen nicht nur generell seltener eine Gymnasialempfehlung erhalten, auch bei gleichen Noten werden sie seltener von den Lehrkräften für gymnasialgeeignet angesehen als Mädchen." und "In allen Fächern erhalten Jungen auch bei gleichen Kompetenzen schlechtere Noten.“

Bundesministerium für Bildung und Forschung: Bildungsforschung Band 23, Berlin, 2008: Bildungs(miss)erfolge von Jungen und Berufswahlverhalten bei Jungen/männlichen Jugendlichen










seedukatives Förder- und Forderkonzept

für Didaktik und Schulphysik der Deutschen Physikalischen Gesellschaft

typische falsche Schreibhaltungen bei Jungs